Am 26. Februar 2026 trafen sich über 30 interessierte Mitglieder des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Deggendorf zu einer eindrucksvollen Führung über das Betriebsgelände der Stadtgärtnerei Deggendorf in Stephansposching. Von 13:30 Uhr bis fast 16 Uhr führte Robert Schneider, Leiter der Stadtgärtnerei, die Gruppe durch die weitläufigen Anlagen und gewährte spannende Einblicke in die tägliche Arbeit seines Teams.

Die Stadtgärtnerei kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: 1926 gegründet, war sie viele Jahrzehnte in der Otto-Denk-Straße in Deggendorf beheimatet, bevor sie vor rund zehn Jahren auf das Gelände der ehemaligen Gärtnerei Meier nach Stephansposching umzog. Dort entstand eine der modernsten kommunalen Gärtnereien der Region – ein Vorzeigeprojekt, dem andere Städte wie Straubing bereits nacheifern wollten, was jedoch durch den Rathausbrand verschoben wurde.

Auf einer Fläche von 2 Hektar, darunter 6.000 m² Hochglasflächen, werden Zierpflanzen angezogen und Kübelpflanzen überwintert. Beeindruckend ist die ausgeklügelte Wasser- und Energietechnik: Regen- und Brunnenwasser werden gesammelt, in einem 26.000-Liter-Speicher gefiltert und wiederverwendet. Die Tauchbewässerung der Pflanztische erfolgt täglich, das Wasser fließt anschließend zurück in den Kreislauf. Ergänzt wird dies durch Fußbodenheizung und moderne Lüftungssysteme in allen Gewächshäusern, betrieben mit Flüssiggas. Ein separates Warmwasser-Zwischenlager mit 50.000 Litern sorgt dafür, dass die Pflanzen stets mit temperiertem Wasser versorgt werden – ein Vorteil, der die Kultivierungszeit verkürzt.

Die Stadtgärtnerei bewirtschaftet über 100 Hektar Grünflächen im Stadtgebiet, darunter 7 Kilometer Hecken, zahlreiche Parkplätze, Schulgelände und Rasenflächen. Während der Saison arbeiten rund 35 Mitarbeitende im Außendienst. In Stephansposching selbst kümmern sich zwei Fachkräfte und vier Auszubildende um die Pflanzenproduktion. Besonders hervorzuheben ist, dass die Stadtgärtnerei als einzige Einrichtung in der Umgebung sowohl Gärtner als auch Fachwerker für Menschen mit Lernschwäche ausbildet.

Ein Highlight der Führung war das sogenannte Cabriohaus, dessen Wände und Dach flexibel geöffnet werden können. Ebenso beeindruckte die Gruppe das Angebot für Deggendorfer Gastronomen: Für 35 Euro pro Jahr können Kübelpflanzen für Außenflächen gemietet werden – inklusive saisonaler Bepflanzung. Nach dem „Frühlingseinsatz“ mit Forsythien und Stiefmütterchen folgt nach den Eisheiligen der „Sommereinsatz“. Damit die Pflanzen gut gedeihen, achtet die Stadtgärtnerei streng auf ausreichende Pflege; bei Vernachlässigung drohen gelbe Karten oder sogar Strafzahlungen.

Neben der Pflanzenproduktion kümmert sich die Stadtgärtnerei um Stadtbäume, Blühflächen und die fortlaufende Umgestaltung von Kreuzungen mit insektenfreundlichen Stauden. Die Produktion erfolgt ausschließlich für den Eigenbedarf, um nicht in Konkurrenz zu privaten Gärtnereien zu treten. Schneider wies zudem auf die zunehmende Bürokratie hin: Jede Düngung oder Pflanzenschutzmaßnahme muss heute mit exakten Geodaten dokumentiert werden – ein Aufwand, der viele kleinere Betriebe überfordert.

Zum Abschluss führte Schneider die Gruppe in die große Lagerhalle, in der unter anderem der gesamte Deggendorfer Weihnachtsmarkt eingelagert wird. Mit rund 1.000 m² Fläche und hoher Durchfahrtshöhe bietet sie Platz für schwere Geräte bis hin zum Autokran.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Professionalität, der technischen Ausstattung und dem Engagement des Teams. Die Führung bot einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen einer modernen kommunalen Gärtnerei – und machte deutlich, wie viel Know-how und Leidenschaft in der Pflege des städtischen Grüns steckt.